Beziehung a'la Ego
Obwohl in allen Kulturen der Erde bekannt, haben viele Menschen
Schwierigkeiten, bei der Herstellung einer Beziehung. Dabei ist
die Zubereitung nicht schwer. Wichtig ist nur die richtige Mischung
und Verarbeitung der Zutaten und etwas Geduld und Zeit. Hier mein
persönliches Lieblingsrezept:
Zutaten:
Eine frische Freundschaft (auch pur sehr bekömmlich),
körperliche Anziehung, Leidenschaft, Initiative,
Offenheit, Würze.
Als tragfähigen Untergrund für eine Beziehung verwende man eine große Portion
frische Freundschaft. Vorsicht: Keine älteren Stücke verwenden, sonst fällt
die Beziehung leicht nach kurzer Zeit in sich zusammen und hinterläßt einen
etwas bitteren Nachgeschmack. Sollte man keine Freundschaft zur Hand haben,
kann man auch Sympathie als Ersatz verwenden, was sich jedoch meist negativ
auf die Haltbarkeit auswirkt (Achtung: Sympathie mindestens zwei Stunden
gleichmäßig anbraten, erst dann mit Leidenschaft anmachen!).
Die Freundschaft sollte man nun auf kleiner Flamme einige Wochen unter
langsamer Zugabe (nur löffelweise!) der körperlichen Anziehung (Marke 'Sexappeal')
anheizen. Anschließend eine Weile schmoren lassen und einwickeln. Wenn die
Sache zu brodeln anfängt, mit einem gepfefferten Schuß Leidenschaft abschmecken,
um etwas Dampf abzulassen. Ein kritischer Punkt ist der Zeitpunkt der Zugabe
von Initiative (empfohlene Marken sind 'Kino', 'Theater', 'Kaffeehaus', zur
Not auch 'Briefmarkensammlung'). Zu frühes Beimengen schreckt die bis jetzt
etwas teigige Masse ab und kann zum Verderben der Freundschafts-Basis führen.
Auch in der Dosierung ist Vorsicht geboten!
Sobald Freundschaft und Leidenschaft genug Bindung haben, wird es Zeit, die
noch wackelige Mischung vorsichtig in eine Beziehungs-Form einzupassen. Je
nach Geschmack kann man zwischen 'monogam - eifersüchtig', 'locker - fremdgängig',
'abgekapselt - weltfremd', 'abhängig - ewiglich' oder einer anderen, auf
dem Markt erhältlichen Form wählen.
Oft wird der Fehler begangen, die heiße und sehr wohlschmeckende obere
Verliebtheits-Schicht auf einmal zu verschlingen. Wenn diese nach etwa zwei
bis drei Monaten aufgebraucht ist, stößt man auf die, im Vergleich langweilig
und ungenießbar erscheinende Alltags-Schicht. Die meisten neigen dann dazu,
die Beziehung ziehen zu lassen (geht selten auf) oder eine ältere aufzuwärmen.
Diese etwas unbefriedigende und verschwenderische Vorgangsweise läßt sich
dadurch umgehen, daß man Verliebtheits- und Alltags-Schicht durch ständige
Zugabe von Offenheit (unbedingt echte, keine Imitate verwenden!) vermischt.
Dadurch bildet sich als Nebenprodukt Vertrauen, ein Süßstoff, der die
Alltags-Schicht nach Verzehr der Verliebtheit, um einiges schmackhafter
macht. Im allerbesten Fall, unter Verwendung der feinsten und am besten
aufeinander abgestimmten Zutaten, bildet sich als unterste Schicht Liebe,
wodurch ein oft jahrelanges, unvergleichliches Geschmackserlebnis garantiert
ist. Wichtig: Die Liebesschicht nicht mit der Verliebtheit verwechseln!
Um die Süße der Liebe aufrecht zu erhalten, muß des öfteren gewürzt werden.
Die Möglichkeiten sind hier unbegrenzt und hängen vom persönlichen Geschmack
ab. Ob deftig-pikant ('Lack & Leder', 'Kamasutra'), schokoladig-blumig
('kleine Überraschung') oder phantasievoll-exotisch, alles ist möglich.
Meistens gelingt es nicht auf Anhieb, eine meisterhafte Beziehung herzustellen.
Mehrere Versuche sind notwendig, um zumindest ein wirklich zufriedenstellendes
Ergebnis zu erreichen. Manchmal reicht allerdings dieses eine, selten gute
Ergebnis für das ganze Leben.
S.P.E.
© Auer Alexander
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