Shit...zophrenie
Und wieder mal bin ich an dem Punkt wo ich nicht mehr
weiter weiß.
Glaubst du, hm.
Ja, alles dreht sich.
Ich hab keine Ahnung was gut und was schlecht ist.
Ich weiß nicht mehr was meine Werte sind. Alle Ziele
sind mir verloren gegangen.
Aus dem Chaos wird eine
neue Ordnung geboren.
Ja, vielleicht. Aber diese
Ordnung muß man doch erst erschaffen. Aus dem Nichts
kommt nichts.
Es gibt kein absolutes Nichts. Auch in
dir ist jetzt schon mehr vorhanden als du dir
eingestehen willst.
Aber ich komm nicht heran. Es
ist alles so tief verborgen. Alles hat eine gute
und eine schlechte Seite. Meine Gefühle locken mit
der guten Seite, mein Verstand warnt mich vor der
schlechten.
Das ist nun mal so. Je größer die eine
Seite ist, desto größer ist auch die andere. Du
mußt dich immer entscheiden ob du beide Seiten auf
dich nehmen willst.
Das ist ja mein Problem. Ich
kann mich einfach nicht dazu durchringen eine
Entscheidung zu treffen. Es ist so viel passiert
in letzter Zeit. Ich weiß noch nicht, wie sich das
alles auf mein Leben auswirken wird und das
verunsichert mich.
Würdest du es denn wissen
wollen? Wäre nicht die ganze Spannung, die Würze
unseres Lebens weg? Stell dir vor, du würdest genau
wissen, wie dein Leben ausschauen wird. Das wäre
doch grauenhaft. Alles bestimmt und festgelegt.
Aber nicht zu wissen kann einen auch fertig machen.
Wenn ich nun die falsche Entscheidung treffe? Wie
wird mein Leben aussehen? Was ist, wenn ich das
Falsche tue und es sich nicht mehr rückgängig machen
läßt? Ich will nicht an meinem eigenen Unglück
schuld sein!
Ich glaube, du überschätzt ein wenig
die Auswirkungen einer einzigen Entscheidung. Du
hast dein Glück jeden Moment im Leben selbst in der
Hand. Glück hat man nicht, du mußt dich glücklich
machen. Wenn du kein Dach überm Kopf hast, Hunger
und niemanden bei dem du weinen kannst, kannst du
noch immer sagen: "Ich lebe. Ich sehe Bäume und das
macht mich glücklich." Im Übrigen ist es wohl besser
selbst für alles verantwortlich zu sein, was dir
passiert. Es wäre schlimm, wenn jemand anderes
darüber entscheiden würde.
Ich fühle mich so
klein und hilflos. Es kommt mir alles so übermächtig
vor. Alle anderen schaffen das so locker, stecken
alles weg, als ob nichts gewesen wäre. Wieso kann
ich das nicht. Bin ich anders? Alle haben ihren
Platz gefunden, wissen wer sie sind und was sie
wollen. Wieso hab ich solche Schwierigkeiten
herauszufinden, was ich wirklich will?
Den Anderen
geht’s auch nicht besser als dir. Manche können es
einfach besser verstecken und manche denken
überhaupt nicht darüber nach. Wenn du anfängst
dir Gedanken zu machen, schlägst du den schwierigeren
Weg im Leben ein. Du mußt ständig alles hinterfragen
und wirst dir nie eine vollkommene Sicherheit zulegen
können. Es verändert sich alles und du mußt diese
Veränderungen mitgehen. Du kannst nicht auf der
Stelle treten. Niemand schafft das Leben locker,
jeder kämpft. Es kämpft nur jeder auf seine eigene
Art. Die einen geheim und verborgen, sie würden
nie zugeben, daß es ihnen schlecht geht. Sie holen
sich ihre Sicherheit aus einer Lebensfassade, die
sie sich aufbauen, aber sie ist morsch und droht
ständig einzubrechen. Die anderen kämpfen öffentlich.
Sie sind Gefühlsexhibitionisten, Seelenstripteaser.
Zwei Minuten nachdem du sie kennengelernt hast,
erzählen sie dir von ihrer unglücklichen Kindheit,
von den Qualen die sie auszustehen haben und der
Sinnkrise die sie durchmachen.
Und was bin ich?
Von beiden etwas. Du kämpfst im Geheimen, für dich
selbst. Aber wenn du mal soweit bist, daß du ein
Problem erfaßt hast, willst du es öffentlich machen.
Die Leute müssen mich für verrückt halten.
Na ja, so schlimm wird’s schon nicht sein. Es ist
wahrscheinlich manchmal zu viel. Die Leute wollen
nicht über Probleme reden, sie wollen unterhalten
werden. Aber wenn du jemand findest, der dir zuhört,
den du interessierst, ist es ein Zeichen, daß ihr
in eurer Beziehung zueinander eine Ebene höher
steigen könnt. Du machst dich verletzbar, das ist
wohl das größte Vertrauen, daß du jemandem
entgegenbringen kannst.
Und wenn mich der Andere verletzt?
Das ist das Risiko, deshalb ist die
Sache ja so interessant.
Aber was kann ich ändern
an mir? Wie kann ich es erreichen, daß ich Gutes
und Schlechtes voneinander unterscheiden kann?
Gar nicht. Du mußt dich trauen auszuprobieren.
Denk nicht an die Schwierigkeiten, fühle die
Aufregung, erlebe das Neue, genieße was kommen
mag. Laß dich durchs Leben treiben, wie eine
Feder im Wind.
S.P.E.
© Auer Alexander
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